Weihnachten 2018

Nur eines, das bleibt immer wahr
Dass es doch früher schöner war
Als nur das Licht der Kerzen
Erleuchtete die Herzen
Da wollte man bescheiden
Den Überfluss vermeiden
Doch dieses Weihnachtsfest
Das gibt mir echt den Rest
Wurd` mir doch Liebe nur geschenkt
Ich finde schon, dass mich das kränkt
Doch Gott sei Dank, die Glocken läuten
Auf meinem Weg zum Therapeuten


Eine Komödie in drei Akten

1. Akt

Schon in meinen jungen Jahren
Da war es allgemein bekannt
Das Sünder wohl zur Hölle fahren
Was ich auch ganz in Ordnung fand

Ich jedoch würde gleich den höchsten Türmen
Das war mir völlig klar
Geradewegs den Himmel stürmen
Weil ich so hochmoralisch war

Meine Moral, sie wird rein
wie klares Wasser sein
Und ich sitze an der Quelle
Der Herr ist mein Geselle

Ein mildes Lüftchen fächelt seinen weißen Bart
Der Herr, er lächelt fein und zart
Ich fühl mich stark, und überhaupt
Ich glaube mehr als er erlaubt

Bis dann der Herr grundgütig spricht:
„Dir fehlt es an Bewusstsein nicht
Ein Hinweis nur, als kleine Mahnung
Ganz hilfreich wär ein bisschen Ahnung“

Hey, alter Mann, ich sag´s Dir gern
Du bist ein Spießer vor dem Herrn
Da zeigt die Kirchenkreisverwaltung
Ja eine bessere Haltung

Du scheuerst unsere Seelen wund
Aus Angst vorm Tod, das ist der Grund
Die Gnade ist Dein Mittel, die Demut ist der Zweck
Doch, das kümmert mich `nen Fliegendreck

Und gelassen spricht der Herr:
„Nun, wenn nicht er, dann wer?
Das ist das Privileg der Jugend
Die Anmaßung als Tugend
Auch das geht irgendwann vorbei
Ich halt Dir mal ein Plätzchen frei“

2. Akt

So wurde ich ein Dichter
Vom Club der kleinen Lichter

Allein ….
Ich würde gern wie Shakespeare sein
Den man ja aus dem Kino kennt
Wo er mit Gwyneth Paltrow pennt

Das wär die Rolle meines Lebens
Beginn und Ende allen Strebens
Das wär das Spiel, das mir gefiel
Das Töten mit dem Federkiel

Gemetzel in geschliffenen Worten
An Kompromisslern und Konsorten
Die putze ich dann alle weg
Wie Fliegendreck

Ich will mich schuppen, will mich häuten
Auf Brettern, die die Welt bedeuten
Denn hat je ein Licht die Welt erhellt
Wenn es sich untern Scheffel stellt? … Nein!

Drum brach ich auf, um aufzubrechen
Und bei dem Casting vorzusprechen
Dort angekommen
Wurd` ich in Augenschein genommen

Dass ich kein William Shakespeare war
Das wurde mir bald klar
Denn keine Gwyneth weit und breit
Das sorgt nicht grad für Heiterkeit

Stattdessen saß ich willenlos
Der Produzentin auf dem Schoß
Und es mir fast die Stimme brach
Als ich dann meine Verse sprach:

Ich bin soweit
Voll heiterer Gelassenheit
Werd ich jetzt für die Liebe sterben
Erwarte nun den Tod, den herben
Gleich hier auf offener Bühne
Vergebung oder Sühne
Denn das gehört zur Show
Denn wenn nicht hier, dann wo?
Trink aus den Schierlingsbecher
Zum Wohl, Ihr müden Zecher
Mein Leben grad zerbricht
Löscht aus das Rampenlicht

Doch, ich schöpfe plötzlich wieder Kraft
Im Becher war nur Apfelsaft
„Nun mal langsam: das brechen wir nicht übers Knie“
So spricht der Herr …. von der Regie
„Wir haben schließlich einen Pakt
Der Tod tritt auf im 3. Akt“

3. Akt

Nun bin ich alt und müde
Das Wasser ist jetzt trübe
Die Quelle ist versiegt
Und die Moral in Trümmern liegt

Ach Herr, was hatte ich für Pläne
So schön wie schwarze Schwäne
Doch hat ich auch Gedanken
Die glatt zum Himmel stanken

Drum Herr, komm lass mich sicher sein
Erwartet mich der Hölle Pein?
Schickst Du mich in den Himmel
Mit Flöten und Gebimmel?

„Ach Guido, nur eines das ist ganz gewiss
Am Ende zählt ein Fliegenschiss“

Mein Gott! Erst gestern
Ihr Brüder und ihr Schwestern
Tat ich ihn wieder lästern
Als ein ganz dicker Brummer
Schob seine letzte Nummer
An meiner frisch geweißten Wand
Was ich schon reichlich schamlos fand
Und ich mit großer Häme
Für die ich mich jetzt schäme
Beendete den Punk
Sofort getroffen, Gott sei Dank

Werd ich für diesen Frevel
Geteert mit Pech und Schwefel?
Empfängt den Fliegenschlächter
Ein höllisches Gelächter?
Oh lieber Herr, vergiss den Diss
Sonst fehlt mir noch ein Fliegenschiss

Der Herr die letzte Stunde schlägt
Mein Leben auf die Waage legt
Die gerade frisch geeicht
Auch Mikrogramm anzeigt

Ich wurde für zu leicht befunden
Doch da: ein Brummer dreht grad seine Runden
Und bevor`s mich in den Abgrund reißt
Der Brummer auf mein Leben scheißt

Mein Leben währt nun ewig, Jahr um Jahr
Obwohl es doch beschissen war


Und heftig kaut der Kettenhund
An seinen nackten Knochen
Die noch nach Fleisch, nach Blut und
Wärme rochen
Genau wie ich
Der ohne Dich
Allein in seinem Zwinger
Die Zähne wetzt
Und jetzt
Wohl jede hier vom Hofe hetzt
Auch die ganz süßen Dinger


Wenn Weihnachten der Regen nieselt
Und es in der Beziehung kriselt
Wenn dann der Magen sich verstimmt
Die Seligkeit kein Ende nimmt
Das ist Zeit, in sich zu gehen
Nur so wirst Du das überstehen!


Mond, O Mond
So bleich, so fahl

Welt, O Welt
So kalt, so kahl

Herz, O Herz
So voll, so leer

Mut, O Mut
So leicht, so schwer

Du, O Du
So nah, so fern

Mann O Mann
Ich hab Dich gern

Nacht, O Nacht
Ergeb Dich nicht
Dem Morgenlicht