Prolog
So mancher steht, und manche auch
Des öfteren mal auf dem Schlauch
Im Einzelfall scheint das fatal
Doch eigentlich ist das normal

Hat man sich erstmal dran gewöhnt
Erübrigt es sich dass man stöhnt
Und jammert
Und an das Glück sich klammert

Du kannst das Glück nicht packen
Denn es sitzt Dir im Nacken
Was es verspricht ist hohl und leer
Es treibt Dich vor sich her

1. Kapitel
In Stiefeln und mit Mütze
Saß ich an meiner Pfütze
Ich wünschte mir so sehr
Sie wär das große Meer

Gepflegt war meine Macke
Und meine Lederjacke
Mein Spiegelbild, das gab mir Recht:
Ich war ein toller Hecht

Ein großer Fisch passt besser
In offene Gewässer
Es war mir so als riefen
Die Schätze mich der Tiefen

Sie machten mich berühmt und reich
Als Hecht im Karpfenteich
Was ich nun brauchte, war ne Flut
Und was mir fehlte, war der Mut

Stattdessen kam ein junger Spund
Ein wirklich blöder Hund
Dann schnüffelte der arme Jiffel
Als suchte er hier Trüffel

Die kalte Nase streunte wacker
durch diesen nassen Asphaltacker
Bis er sich dann zu mir gesellte
Und ich ihm eine Frage stellte:

„Was hast Du hier gerochen?“
„Das Glück, das hat sich hier verkrochen!
Wenn erst das Unglück ist verreckt
Dann hält es sich nicht mehr versteckt!“

Und er, was der Erwähnung kaum bedürfte
Das blanke Pfützenwasser schlürfte
Dem Junkie gleich, der ohne Stoff
Sogar noch Erdbeerbowle soff

Nun fragt Ihr mich, was ich dort suchte?
Es war das Glück, das große, das verfluchte
Denn schließlich war ich irgendwann
Ja auch mal dran!

Doch ich bekam statt Seligkeit und Süße
Ein nasses Fell und kalte Füße
So war ich dann, genau genommen
Genauso auf den Hund gekommen

Zwischenspiel
Da traf mich dann der Schlag
Final, wie er es mag
Ich war dann nun mal weg
Die Mütze lag im Dreck

War einfach abgebogen
Und unbekannt verzogen
Wohin? Wenn ich´s nur wüsste
Kein Ufer, keine Küste

2. Kapitel
Zum Meer zog meine Seele
Dort traf sie die Makrele
Doch auf der Seelenwanderung
Die Neugeburt verlor an Schwung

Es läuft nicht immer wie man will
Denn ich war jetzt ein Krill
Ich wurde so auf diese Weise
zu der Makrele Lieblingsspeise

Da kam es mir doch wie gerufen:
Ich wurde erstmal einberufen
Zur Krillarmee
Ganz ohne Rang und Portepee

Dort rief man mich, das war der Hammer
Als erstes in die Kleiderkammer
Es wurde mir, ich sah es kommen
Die Lederjacke abgenommen

Die hätte, nur so auf Verdacht
Bei ebay noch gut Geld gebracht
Die Mütze und die Stiefel, sie kamen ins Regal
Doch das war mir dann schon egal

Stattdessen trug ich lichte Glieder
Sie gaben einen Lichtschein wieder
An dem wir uns dann orientierten
Wenn wir zusammen paradierten

So war ich jetzt ganz gut gerüstet
Falls jemand es nach Krill gelüstet
Dann braucht ich nicht die Segel streichen
Ich war nun unter meinesgleichen

Denn nun bewährte sich der Drill
Wenn jeder winzig kleine Krill
Sich flott und wie von Geisterhand
Zu Schwärmen großer Art verband

Ein jeder kann sich dort verstecken
Gemeinsam können wir verrecken
Drum stehen wir auf und feiern ihn:
Den großen Wert der Disziplin

Und jeder kann sich hier vermehren
Drum wollen wir auch die Wollust ehren
Ihr geben wir uns völlig hin
Denn das ist doch der Lebenssinn

Hier lässt Dich nicht genesen
Ein weises, höheres Wesen
Hier brauchst Du keinen Geist
Der Dir die Richtung weist

So machten wir uns auf die Reise
Erlebten dann die Lebensweise
Der diversen Arten
Im blühenden Korallengarten

Der Tintenfisch ist mir begegnet
Er trägt nen Schirm, als ob es regnet
Ein wirklich seltsamer Geselle
Doch ist er wohl im Kopf ganz helle

Als Krake spielt er Kinderschreck
Doch meistens hockt er im Versteck
Wird er bedroht, versprüht er Tinte
Nichts von Substanz, nur eine Finte

Bei seinem Anblick wird mir klar
Was er im früheren Leben war
Ein Journalist
Schreibt nicht was ist

Er ist kein Held
Er schreibt für Geld
Und was Du liest
Ist anekdotisch aufgespießt

Sein Bild von dieser Welt
Und was er gerade von ihr hält
Im Grunde nur ein blinder
Zeilenschinder

Im Gegensatz zu den Poeten
Das sind die Seher und Propheten
Sie schauen hinter die Kulissen
Weil sie nur ahnen und nichts wissen

Sie bringen Stimmung und Gefühl
Sie sitzen zwischen dem Gestühl
Sie werden auch kaum ernst genommen
Weshalb sie in den Himmel kommen

Als Ausgleich für das karge Darben
Und weil sie wohl in Armut starben
Doch liebte sie das gleiche wie das andere Geschlecht
Das war zum Ausgleich mal gerecht

Und schließlich dann: der Tintenfisch
Kommt gern als Speise auf den Tisch
In mediterranem Ambiente
So wie in Peking wohl die Ente

Weil sonst sein Leben sinnlos wär
Das sag ich mal, ohne Gewähr
Ich weiß das nur vom Hörensagen
Ich würd`s sonst nicht zu sagen wagen

So traf ich auch den Wal
An sich wär mir das wohl egal
Doch er ist unser größter Feind
Die Angst vor ihm uns eint

Uns eint auch das geheime Sehnen
Das muss ich hier jetzt mal erwähnen
Dass, Japaner einmal ausgenommen
Die Waleretter in die Hölle kommen

Japaner sich an Walfleisch laben
Weil sie dort scharfe Messer haben
Die Riesenviecher zu tranchieren
Zu achteln, vierteln und halbieren

Von der Japaner Schmiedekunst
Da hat man hier ja keinen Dunst
Wie alles so zusammenhängt
Wenn der Japaner Wale fängt

So, das muss fürs erste reichen
Wir werden wohl bald laichen
Bei uns ist wieder Paarungszeit
Mein Herzblatt meint, sie wär so weit

Ach! Eines noch! Bevor ich geh:
Wenn ich so auf die Menschen seh:
Was ist denn bloß mit denen los?
Vielleicht ist das Gehirn zu groß?!

Es reicht nur bis zur Schädeldecke
Noch nicht mal bis zur nächsten Ecke
Wenn sie vergehen, irgendwann
Dann fangen wir erst an!

Epilog
So führt die Sehnsucht nach dem Glück
Uns unverhofft darauf zurück
Dass das Leben doch wohl sinnlos ist
Und dass man dabei nicht vergisst:

Wir können nur die Sehnsucht stillen
Indem wir die Funktion erfüllen
Die die Natur uns zugedacht
Sie leitet uns und hält die Wacht

Auch in der Nacht
Denn gerade bin ich aufgewacht

Und ich sitz an meiner Pfütze
In Stiefeln und mit Mütze


Eine Komödie in drei Akten

1. Akt

Schon in meinen jungen Jahren
Da war es allgemein bekannt
Das Sünder wohl zur Hölle fahren
Was ich auch ganz in Ordnung fand

Ich jedoch würde gleich den höchsten Türmen
Das war mir völlig klar
Geradewegs den Himmel stürmen
Weil ich so hochmoralisch war

Meine Moral, sie wird rein
wie klares Wasser sein
Und ich sitze an der Quelle
Der Herr ist mein Geselle

Ein mildes Lüftchen fächelt seinen weißen Bart
Der Herr, er lächelt fein und zart
Ich fühl mich stark, und überhaupt
Ich glaube mehr als er erlaubt

Bis dann der Herr grundgütig spricht:
„Dir fehlt es an Bewusstsein nicht
Ein Hinweis nur, als kleine Mahnung
Ganz hilfreich wär ein bisschen Ahnung“

Hey, alter Mann, das hab ich gern
Du bist ein Spießer vor dem Herrn
Da zeigt die Kirchenkreisverwaltung
Ja eine bessere Haltung

Du scheuerst unsere Seelen wund
Aus Angst vorm Tod, das ist der Grund
Die Gnade ist Dein Mittel, die Demut ist der Zweck
Doch, das kümmert mich `nen Fliegendreck

Und gelassen spricht der Herr:
„Nun, wenn nicht er, dann wer?
Das ist das Privileg der Jugend
Die Anmaßung als Tugend
Auch das geht irgendwann vorbei
Ich halt Dir mal ein Plätzchen frei“

2. Akt

So wurde ich ein Dichter
Vom Club der kleinen Lichter

Allein ….
Ich würde gern wie Shakespeare sein
Den man ja aus dem Kino kennt
Wo er mit Gwyneth Paltrow pennt

Das wär die Rolle meines Lebens
Beginn und Ende allen Strebens
Das wär das Spiel, das mir gefiel
Das Töten mit dem Federkiel

Gemetzel in geschliffenen Worten
An Kompromisslern und Konsorten
Die putze ich dann alle weg
Wie Fliegendreck

Ich will mich schuppen, will mich häuten
Auf Brettern, die die Welt bedeuten
Denn hat je ein Licht die Welt erhellt
Wenn es sich untern Scheffel stellt? … Nein!

Drum brach ich auf, um aufzubrechen
Und bei dem Casting vorzusprechen
Dort angekommen
Wurd` ich in Augenschein genommen

Dass ich kein William Shakespeare war
Das wurde mir bald klar
Denn keine Gwyneth weit und breit
Das sorgt nicht grad für Heiterkeit

Stattdessen saß ich willenlos
Der Produzentin auf dem Schoß
Und es mir fast die Stimme brach
Als ich dann meine Verse sprach:

Ich bin soweit
Voll heiterer Gelassenheit
Werd ich jetzt für die Liebe sterben
Erwarte nun den Tod, den herben
Gleich hier auf offener Bühne
Vergebung oder Sühne
Denn das gehört zur Show
Denn wenn nicht hier, dann wo?
Trink aus den Schierlingsbecher
Zum Wohl, Ihr müden Zecher
Mein Leben grad zerbricht
Löscht aus das Rampenlicht

Doch, ich schöpfe plötzlich wieder Kraft
Im Becher war nur Apfelsaft
„Nun mal langsam: das brechen wir nicht übers Knie“
So spricht der Herr …. von der Regie
„Wir haben schließlich einen Pakt
Der Tod tritt auf im 3. Akt“

3. Akt

Nun bin ich alt und müde
Das Wasser ist jetzt trübe
Die Quelle ist versiegt
Und die Moral in Trümmern liegt

Ach Herr, was hatte ich für Pläne
So schön wie schwarze Schwäne
Doch hat ich auch Gedanken
Die glatt zum Himmel stanken

Drum Herr, komm lass mich sicher sein
Erwartet mich der Hölle Pein?
Schickst Du mich in den Himmel
Mit Flöten und Gebimmel?

„Ach Guido, nur eines das ist ganz gewiss
Am Ende zählt ein Fliegenschiss“

Mein Gott! Erst gestern
Ihr Brüder und ihr Schwestern
Tat ich ihn wieder lästern
Als ein ganz dicker Brummer
Schob seine letzte Nummer
An meiner frisch geweißten Wand
Was ich schon reichlich schamlos fand
Und ich mit großer Häme
Für die ich mich jetzt schäme
Beendete den Punk
Sofort getroffen, Gott sei Dank

Werd ich für diesen Frevel
Geteert mit Pech und Schwefel?
Empfängt den Fliegenschlächter
Ein höllisches Gelächter?
Oh lieber Herr, vergiss den Diss
Sonst fehlt mir noch ein Fliegenschiss

Der Herr die letzte Stunde schlägt
Mein Leben auf die Waage legt
Die gerade frisch geeicht
Auch Mikrogramm anzeigt

Ich wurde für zu leicht befunden
Doch da: ein Brummer dreht grad seine Runden
Und bevor`s mich in den Abgrund reißt
Der Brummer auf mein Leben scheißt

Mein Leben währt nun ewig, Jahr um Jahr
Obwohl es doch beschissen war


Am Teichesrand, zur Morgenröte
Saß stillvergnügt die große Kröte
Sie meinte wohl, dass es sie schütze
Das Grün der dicken Entengrütze
Die Stunde früh, es war soweit
Denn es war beinah Frühstückszeit
So war sie scharf auf eine Mucke
Vor Freude ran ihr schon die Spucke
Wie einem Hörnchen bei der Eichel
fließt hemmungslos der Speichel

Die Mucke nun, nach langer Nacht
Die sie mit Stechen hat verbracht
Am liebsten platzen möchte
So drückt ihr im Gemächte
Dein Blut, das ihre Labsal war
Doch war sie aller Reue bar
Zufrieden nun und träge
Sang sie wie eine Säge
Die schönste aller Melodein
Was braucht es mehr zum glücklich sein

Dein Leib jedoch war voller Beulen
Ihr Singen war für Dich zum Heulen
Obwohl das Laken Dich bedeckte
Und selbst die Nase sich versteckte
Stach Dich das Muckenvieh
So grausam wie noch nie
Dich plagten Mordgelüste
Wenn das die Karin wüsste
Da lag sie nun, so schön, so bloß
Und ungestochen war ihr Schoß

Und dann war da noch Adebar
Der Mann von unserem Storchenpaar
Er musste wohl am frühen Morgen
Das Futter für die Brut besorgen
Erst zog er still und leise
Am Himmel seine Kreise
Dann stelzte er mit seinen Beinen
Die so zerbrechlich scheinen
Sogleich durch den Teich
An Nahrung reich … mit Kröten und mit Laich

Die Kröte dann sich blähte
Und laut wie die Trompete
Tat sie den Morgenschrei
Dass lockte prompt den Storch herbei
Die Muck erstarrte gleich vor Schreck
Jetzt aber nichts wie weg!
Zu spät! Zu spät! Zu spät! Zu spät!
Denn angesichts der dünnen Waden
War sie doch etwas überladen

Ach, wie sich die Kröte freute
Zu früh, Ihr lieben Leute
Zu früh! Zu früh! Zu früh! Zu früh!
Was für ein leckerer Happen
Denn praktisch noch beim Schnappen
Der Adebar … Der Storch war da
Und er sich streckte, würgte, schlang
Weil ihm ein fetter Fang gelang
Gleich zwei auf einen Streich
Von jetzt auf gleich

Und Karin weich und warm
Sie lag in Deinem Arm
Und ihre kleine Zehe
Fand zärtlich Deine Nähe
Ja, Karin hat Dich eingeladen
Das Lager aufzuschlagen, an den Gestaden
Zu denen es uns alle zieht
Ins Ursprungstal, ins Feuchtgebiet
Wo alles seinen Anfang fand
So auch bei Dir, als er Dir stand

Für Karin gab es eines nur
In Harmonie mit der Natur
Und ihrem Einser-Abitur
Schwor sie den Schwur
Ihr Leben selber zu gestalten
Und die Hormone zu verwalten
Mit Thermometer und Kalender
Dass nicht ein Samenspender
Wie Du, bekommt zur falschen Zeit
Die richtige Gelegenheit

Und genau zur Morgenröte
Als draußen die Trompete
Der Kröte … erscholl
Und er Dir schwoll … so wie er soll
Und überquoll … wie wundervoll
Endlich befreit! … Empfängnisfreie Zeit!
Genau berechnet, nach Sekunden
Ihr Fehler war, dann abzurunden
So hatte sie ein Ei am Wandern
Von einem Ort zum andern

Du sagtest noch: Oh, Karin horch
Da draußen ist ein Klapperstorch
Zu spät! Zu spät! Zu spät! Zu spät!
Und während sie Dich sanft massierte
Geschah etwas, nein es passierte
Du wolltest plötzlich reden
Deinen Gefühlen Ausdruck geben
Ohhhhh!….Jaaaaaa!!!
War es die Liebe? … Waren es die Triebe?
Oder war es etwa halbe halbe?

Ach was, es war die Mückensalbe!


Freitag, den 26.01.2018 in Hamburg Eimsbüttel, Auster Bar, 8 min

Stellt Euch mal vor in diesem Saal
Tagt Heut und Hier ein Tribunal
Der Guten und Gerechten
Die auch mal richten möchten
Heut geht es nicht um Tatbestände
Die man bedächtig wägend wende
Heut kommt es auf die Haltung an
Die wir mal zeigen müssen, irgendwann
Das Urteil spricht nicht Hinz und Kunz
Wir sind hier schließlich unter uns
Ein kleiner Hinweis muss noch sein
Der Richterspruch heißt: NEIN

Der erste Fall:
Bei uns herrscht jetzt Demokratie
Die Gegend hier ist neu für sie
Sie ist für mich genau genommen
Hier überhaupt nicht angekommen
So wie damals, hier in Lichtenhagen
Schon lange her, vor vielen Tagen
Als eine Welle ungehemmt
Das Fremde bis nach Rostock schwemmt
Die Opfer schlimmster Bürgerkriege
Ich frag mich nur, warum so viele
Grad hier bei uns, weil es doch schon
So vielen fehlt an Arbeit und an Lohn
Das geht nicht gut, das war mir klar
Weshalb ich auch dagegen war
Ich war vor Ort, zum Protestieren
Dort sah ich Flammen nach der Hauswand gieren
Des Heimes der dort asylierten
Das schöne Sonnenblumen zierten
Vom Hause her klang Angstgeschrei
Davor dann Lachen, Pöbelei
Die Staatsgewalt, wie man sie kennt
Trat auf mit Helm und Kettenhemd
Doch im Sieges- und Triumpfgebrüll
War sie so ungewöhnlich still
Die Staatsgewalt, was macht sie bloß
Sie schien mir orientierungslos
Das Recht, schien mir, war überwunden
Und das für Tage, nicht für Stunden
Ein Staat, der solchen Pöbel duldet
Der liefert nicht, was er uns schuldet
Und das sag ich hier ungeniert
Das wär hier früher nicht passiert
So war das Ganze nicht mein Ding
Weshalb ich dann nach Hause ging

Am nächsten Tag wurd viel geschrieben
Es wurd auch mächtig übertrieben
Wie dem auch sei – ich war dabei
Glaubt nicht, mir wäre das egal
Ich hatte nun mal keine Wahl
Drum stell ich mich dem Tribunal

Mein Gewissen ist schlecht
Meine Reue ist echt
Mein Herz ist rein
Wird mir verziehen sein?
NEIN!

Unser zweiter Fall:
Ich kenn den Kurt aus alten Tagen
Er ist ein Arsch, was soll ich sagen
Das Ganze kam nur seinetwegen
Ich wollte gar nicht Feuer legen
Und dann bin ich leider auch als Kind
Zu kurz gekommen und wir sind
Beschissen worden, ist doch klar
Weil alles eine Lüge war
So war es doch, und überhaupt
Man hat uns unsern Stolz geraubt
Ich nehm es ausnahmsweise hin
Das ich auch ein Opfer bin
Vom Kurt hab ich mich weit entfernt
Ich habe die Lektion gelernt
Das sagt auch mein Sozialarbeiter
Denn vor Gericht hilft mir das weiter
Hab keinen Bock drauf einzufahren
Wo wir doch bloß besoffen waren
Bekam ne Tracht von meinem Vater
Und hatte auch nen Riesenkater
Da ist doch gar nichts groß passiert
Das Haus wird einfach neu lackiert
Und dann sind auch die andern dran
Zum Beispiel Heinz, von nebenan
Vom Großen war ich nur ein kleiner Teil
Und trotzdem, Mann, was war das geil
Ich war sogar im Fernsehen drin
Am Rande nur, doch immerhin
Mein Bruder hat es aufgenommen
Du glaubst es nicht? Du kannst ja kommen
Doch vor Gericht hilft das nicht weiter
Das sagt auch mein Sozialarbeiter
Am nächsten Tag wurd viel geschrieben
Es wurd auch mächtig übertrieben
Wie dem auch sei – ich war dabei
Glaubt nicht, mir wäre das egal
Ich hatte nun mal keine Wahl
Drum stell ich mich dem Tribunal

Mein Gewissen ist schlecht
Meine Reue ist echt
Mein Herz ist rein
Wird mir verziehen sein?
NEIN!

Und der dritte Fall:
Und ich betrachte das Problem im Lichte
Unserer Verantwortung vor der Geschichte
Grad weil bei uns ein Unrechtsstaat
Millionen hier vertrieben hat
Müssen wir jetzt zu den Menschen stehen
Die ohne uns zu Grunde gehen
Und darum: das Asylrecht ist mir heilig
Grade deshalb müssen wir jetzt eilig
Das Grundgesetz entsprechend präzisieren
Bevor die Bürger die Geduld verlieren
Wenn das Asylrecht in Gefahr gerät
Ich fürchte, dann ist es zu spät
Denn wenn wir auch das Beste hätten
Ich will es vor sich selber retten
Politisch Verfolgte genießen Asylrecht (GG Art. 16a Absatz 1)
Ein Satz wie an die Wand gemalt
Doch nirgends steht wer das bezahlt
Selbst wenn wir zig Milliarden hätten
Wir könnten doch nicht jeden retten
Wir haben schließlich selber Sorgen
Nicht gerade offen, doch verborgen
Und deshalb brauchen wir hier jetzt
Ein Asylbewerberleistungsgesetz
Und dass manche Länder sicher sind
Das weiß doch schließlich jedes Kind
Das ist doch nicht so kompliziert
Denn schon wer seinen Pass verliert
Der hat doch etwas zu verschleiern
Ich weigere mich, da rumzueiern
Und die vor Siziliens Küsten treiben
Die können doch da unten bleiben
Denn schließlich sind sie sicher dort
Die registrieren wir dann dort vor Ort
Und zwar menschlich und formal korrekt
Bevor sich jemand hier versteckt
Vielleicht sogar hier in der Schanze
Das geht doch nicht, das Ganze
Drum urteilt bitte nicht voreilig
Denn das Asylrecht ist mir heilig
Es wird es deshalb weiter geben
Doch eben nicht für jeden!

Am nächsten Tag wurd viel geschrieben
Es wurd auch mächtig übertrieben
Wie dem auch sei – ich war dabei
Glaubt nicht, mir wäre das egal
Ich hatte nun mal keine Wahl
Drum stell ich mich dem Tribunal

Mein Gewissen ist schlecht
Meine Reue ist echt
Mein Herz ist rein
Wird mir verziehen sein?
NEIN!

Dies ist die Botschaft an den Saal
Dass Ihr irgendwann, beim nächsten Mal
Wenn Ihr einmal hier oben steht
Dann wisst Ihr ja, wie es so geht!
Ob als Richter oder Täter
Das … entscheidet sich dann später


Dies ist ein chauvinistisches Machwerk, hingeschludert in üblen Schüttelreimen.

Ich würde Dir gern jetzt erzählen
Was mich für große Sorgen quälen
Wo alles doch so schön begann
Bei Bauer Meier nebenan

Denn Bauer Meier meint ich täte
Was rechtes, wenn ich Hennen trete
Betrachtet mich mit Wohlgefallen
Doch das gilt leider nicht bei allen

Frau Meier manchmal hoch erregt
Nach mir mit einer Schaufel schlägt
Ich hoffe mal, dass Abends spät
Es Meier nicht genauso geht

Ich steh meist auf dem Mist ganz oben
Ich will mich ja nicht selber loben
Doch schön spreizt sich mein Hahngefieder
Lass ich mich auf der Henne nieder

Das ist mein Auftrag, sonnenklar
Womit ich sehr zufrieden war
Ich lernte sie dann alle kennen
Die netten, scharfen, klugen Hennen

Doch jedem Huhn gerecht zu werden
Das ist nicht einfach, hier auf Erden
Man muss die Hennen schon verstehen
In jeder das Besondere sehen

Doch leicht gesagt ist schwer getan
Ich bin kein Schwerenöter, kein Galan
Mir fehlen meist die rechten Worte
Zur rechten Zeit, am rechten Orte

Ich könnte doch Geschichten schreiben
Mit Worten die dann ewig bleiben
Wie diese hier, als Beispiel nur
Ein Hahn der schreibt, ein Wunder der Natur

Da ist die Glucke namens Trine
Die legendäre Brutmaschine
Fünf Hähne hat sie überlebt
Und weitere sind angestrebt

Da heißt es nur Respekt zu zeigen
Und sie in Demut zu besteigen
Ist es für mich dann irgendwann vorbei
Erzählt man sich: er war dabei!

Der Nachbar hat nen Riesengockel
Ein Denkmal inklusive Sockel
Ein Hahn vom Stamm der Brahma
Das Loch im Zaun, das ist das Drama

Wenn Brahma seine Stimme hebt
Das rings herum die Luft erbebt
Seh ich der Hennen Augen flackern
Hör ihre Eierstöcke klappern

Das Drama ist das Loch im Zaun
Auch Marga ist dann abgehaun
Doch das ist ihr nicht gut bekommen
Sie wurd in Sippenhaft genommen

Die Brut von ihr, Ihr dürft es raten
Erbrachte manchen Sonntagsbraten
Die breite Brust, die strammen Schenkel
Sie gab sie weiter an die Enkel

Ein jeder der Mathilde kennt
Erkennt gleich ihr Naturtalent
Sie sammelt Nektar wie die Bienen
Sie könnte Geld damit verdienen

Wenn sie so um die Ecke biegt
Und leicht sich in den Hüften wiegt
Wie frisch lackert die Krallen
Schon seid Ihr ihr verfallen

Ihr Gurren lockt wie die Sirene
Es appeliert an meine Gene
In Reih und Glied, und stramm gestanden
Auf, auf, Marsch, Marsch, ihr Räuberbanden

Sie ist so offen wie ein Scheunentor
Und ich steh doch verzagt davor
Sie ist geheimnisvoll wie eine Nymphe
Und ich bin nackt, bis auf die Strümpfe

So könnten alle glücklich sein
Die Hennen, Bauer Meier und ich … allein
Wenn das Vergnügen wird zur Pflicht
Nützt auch das ganze Mühen nicht

Der Stress an meinen Kräften saugt
Ich fühl mich etwas ausgelaugt
Schon stelle ich an manchen Tagen
Mir selber reichlich wirre Fragen

Was mach ich nur im Alter?
Wird mich mein Hühnerhalter
Noch wollen wenn ich nicht mehr kann?
Sieht man mir schon mein Alter an?

Ein Leben voller Übervölle
Führt das direkt in eine Hölle?
Besetzt mit lauter geilen Hähnen?
Und ich wär einer nur von denen?

Du merkst es schon, es ist soweit
Ich zweifle an der Männlichkeit
Hat das der liebe Gott gewollt?
Dass man uns keine Achtung zollt?

Am Ende hab ich´s dann versiebt
Verdammt noch mal, ich bin verliebt
Einstmals ist mir der Kamm geschwollen
Jetzt will ich plötzlich nicht mehr wollen

Will nur noch Deine Federn wuscheln
Und höchstens noch mal etwas kuscheln
Ich glaub, ich hab mich aufgegeben
Will ganz normales Eheleben

Und weist Du auch, was dann passierte
Als ich mich schließlich selbst kastrierte
Das war der Bäuerin nicht recht
Das war nicht gut, war sogar schlecht

Die Meiersche, sie schlägt Alarm
„Der bring´s nicht mehr, der macht uns arm!
Der Hahn ist eine Flasche!
Der liegt uns nur noch auf der Tasche!“

„Ach, gib ihm doch das Gnadenbrot
Am Ende sind wir alle tot
Wir müssen auch mal gönnen können
Auch wenn wir dabei nichts gewönnen!“
(meint der Bauer)

Doch wie´s so ist seit vielen Tagen
Zu Hause hat die Frau das Sagen
Was mich natürlich stark betrifft
Für meine Zukunft ist das Gift

So kostet es mich jetzt den Kopf
Ich lande nun in einem Topf
Schon vor dem ersten Hahnenschrei
Ist es vorbei

Zuvor jedoch ein letztes Zucken
Und teilnahmslos die Glucken gucken
Sie haben jetzt wohl neue Pläne
Denn schließlich gibt es viele Hähne

Ich wähn mich schon im Hähnchenhimmel
Von Ferne hör ich das Gebimmel
Von jungen Kücken mit Silberglöckchen
An ihren goldnen Löckchen

Frau Meier ganz in ihrem Element
Kein Mitleid, keine Gnade kennt
Das Wasser ist schon aufgesetzt
Als sie beim Rupfen mich verpetzt

„Hey, Mann komm her, schau Dir das an
An dem da ist ja gar nichts dran!“

„Ach lass ihn doch, sei einfach nett
Ein guter Hahn wird niemals fett!“